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Geschichtliches
Die Geschichte von Diesdorf

Wer die Heimat nicht liebt und die Heimat nicht ehrt,
Ist ein Lump und des Glücks in der Heimat nicht wert.


aus: "Das Heimatbuch von Diesdorf", Franz Huschenbett, Pfarrer,
Magdeburg - Diesdorf im Selbstverlag 1934.



Der Bürger- und Heimatverein Magdeburg-Diesdorf e.V. hat es sich zum Ziel gesetzt, die Chronik des Pfarrers Huschenbett, die mit dem 01.07.1934 endet, fortzusetzen und zu propagieren. Die Verfasser sind keine Historiker und erheben deshalb keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Unsere Aussagen beruhen auf Erinnerungen von meist gebürtigen Einwohnern des Ortes. Ihnen allen sei Dank gesagt für die Zuarbeit, ohne die diese Chronik nicht zustande gekommen wäre.

1930 wurde auf der südlichen Anhöhe des Dreibrückenwiesengrundes diesseits der Bahnlinie unweit des Blockstellenhäuschens ein Urnenfeld entdeckt, das aus der Zeit 1.000 - 800 v.Chr. stammt. Der Ort existierte wahrscheinlich mindestens seit 400 - 800 n.Chr.

937:
Erste urkundliche Erwähnung als „Thiederestorp”. Der Name des Dorfes ist wahrscheinlich von dem Namen Dietrich abgeleitet.

13. u. 14. Jhd.:
starke Entvölkerung durch Pestepidemien (1348 und 1357). Untergang der benachbarten Dörfer Rottersdorf, Schrottorf, Harsdorf

1350:
Kirche, St.Eustachius und Agathe

1450:
Eingangsvorhalle und Sakristei zur Kirche erbaut

1488:
Erwähnung der Borchstrate,
die Burg (Burgstrasse) = unbefestigter Zufluchtsort für die Bevölkerung des typisch deutschen Bauerndorfes.
Am Thie = Versammlungsort der Dorfbewohner.
Kloster Berge (Magdeburg) hatte Diesdorf weitgehend im Besitz als Zehntherr.

1525:
Erstürmung des Klosters durch Magdeburger Pöbel.

1552 - 1576:
Steffen Müller, mit 26 Jahren erster ev. Pfarrer (stammte aus einer Diesdorfer Bauernfamilie).

1565:
erste Schule unter kirchlicher Obhut. Unterricht nur im Winter und nur Knaben.

1594:
erstes Straßenpflaster.

1610:
erste Kirchturmuhr. Bauern erweiterten ihre Höfe und nahmen dazu erhebliche Kredite, meist bei reichen Magdeburgern, auf. Einführung einer Kleiderordnung, Hochzeitsbräuche. Zunehmender Wohlstand mit negativen Erscheinungen wie Liederlichkeit, Trunksucht.

1618 - 1648:
Dreißigjähriger Krieg. Am Schlimmsten wurden die Bauern in den unbefestigten Dörfern betroffen.

1627/28:
Wallenstein belagert Magdeburg. Läßt Schanzen rings um die Stadt errichten, eine vor Diesdorf auf dem Kümmelsberg. Greueltaten und Verwüstung durch die Söldner.



1630/31:
Bündnis Magdeburgs mit Gustav Adolf von Schweden, der sich jedoch zurückziehen muß. Tilly legte während der Belagerung 1800 Fußsoldaten und 100 Berittene mit einem Oberwachtmeister ins Dorf. Nach 8 monatiger Dauer der Belagerung mußte Magdeburg aufgeben.

1633:
Bestellung der Äcker nicht möglich, Bauernhöfe verwüstet und abgebrannt.

1642:
Bericht über den Zustand des Ortes durch das bischöfliche Amt der Möllenvogtei, Magdeburg, worin es heißt, daß das Dorf dergestalt ruiniert, daß nicht ein einziges Gebäude stehen geblieben ist außer der Kirche.

24.10.1648:
Ende des 30jährigen Krieges. Von 400 Einwohnern vor dem Krieg blieben 100 übrig. Beginn des Wiederaufbaus.

1651 - 1683:
Pastor Johannes Fischer

1680:
Das Erzstift Magdeburg wird nach 713 jährigem Bestehen unter dem Namen Herzogtum Magdeburg Glied des brandenburgisch - preußischen Staates.

1680:
Pestepidemie im Herzogtum Magdeburg. An Diesdorf scheint diese Epidemie vorbei gegangen zu sein.

1684
59 Hauswirte, bedeutet etwa 300 - 400 Einwohner. Streitigkeiten der Diesdorfer mit den Magdeburgern um Weideflächen im Stadtfeld in der Umgebung Diesdorfs.

1684:
langsamer wirtschaftlicher Wiederaufbau. 5 Freie Häuschen (für Hirten, Hebamme) erbaut auf der wüsten Spielhaus - und Backstubenstätte.


1697:
gründliche Instandsetzung der Kirche.

1726:
Entdeckung eines Gesundbrunnens am Rande des Dreibrücken - Wiesengrundes in einer Sandkuhle durch einen Schafhirten.

1770:
Beginn der Besiedlung des rechten Schroteufers.(zwischen Hemsdorfer - und Ummendorferstrasse).

1775:
Revision der Herrendienste durch Friedrich II (der Große).

1753 und 1762:
Feuersbrünste

1800:
das Dorf hatte ca. 600 Einwohner.

1806:
lagerten napoleonische Truppen und plünderten das Dorf aus.

1812:
Bericht von Heinrich Camin (1787 - 1848), ein Diesdorfer, über Erlebnisse im Feldzug Napoleons gegen Russland.

1813:
ca. 5000 Franzosen in Magdeburg und Umgebung stationiert.

1814:
Bericht des Diesdorfer Pf. Ludwig August Rönik über die Verhältnisse während der Napoleonischen Herrschaft in Diesdorf. Am 23.April, Kapitulation der napoleonischen Truppen. 23.Mai, letzte napoleonische Truppen verlassen die Stadt Magdeburg.

1816:
preußische Neuorganisation, der liberalistische Geist der frz. Revolution findet bei vielen Bürgern freudige Begrüßung. 768 Einwohner in Diesdorf.

1824:
Bericht Pf. Rönik über die allgemeine Belebung des Handels.

9.04.1833:
Ein Großbrand vernichtet 17 Gehöfte in der Angergegend.

1836:
Das Dorf hat bereits 1100 Einwohner.

1843:
1305 Einwohner. Haupterwerbszweige: Landwirtschaft, Weizenanbau, Zichorien (Darren), Zuckerrübenanbau (seit 1836 in Diesdorf).

1872 - 1906:
Pastor Otto Plumner.

Ab Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt sich Diesdorf zu einer Arbeiterwohngemeinde ohne nennenswerte Industrie. Von 700 Erwerbspersonen arbeiten 400 ständig und 200 als Saisonkräfte in Magdeburg.

1913:
3000 Einwohner (nach einem Bericht von Albrecht Schulze, Bauer).

1914 - 1918:
erster Weltkrieg. Entstehen eines Rotkreuz-Ortsverbandes (Bodenburg).

1.04.1926:
Eingemeindung zum Ortsteil von Magdeburg.

16.09.1926:
Jungfernfahrt der Straßenbahnlinie 3 vom „Landhaus Diesdorf” (Ummendorfer Straße)

15. - 17.07.1929:
25jähriges Jubiläum des Turnvereins Gute Hoffnung Diesdorf.

1931 - 1933:
Umverlegung, Verbreiterung und Tieferlegung der Schrote

1933:
3.317 Einwohner. Neue Siedlungen in der Hollehochstrasse, am Döllweg, Kümmelsberg - Siedlung, Gartenbaugenossenschaft - Süd.

1.07.1934:
Einweihung des Denkmals für die Opfer des ersten Weltkrieges in Ergänzung des alten Kriegerdenkmals, das 1902 mit den Namen der Opfer von 1866 und 1870/71 errichtet worden war. Ein Granitquader mit 116 Namen der Opfer des ersten Weltkrieges 1914/18 wurde hinzugefügt.

Bekannte Namen in den 20iger Jahren sind Bauer Albert Hilliger, Geschäftshaus August Karlowsky, Molkerei Wilhelm Marx, Konservenfabrik Reinhold Köhler, Landhaus Diesdorf,
Karl Aernecke.
Weit über die Grenzen Diesdorfs bekannt und geschätzt ist die große ganz modern eingerichtete Fleischerei von Otto Luft, Torplatz, die monatlich ca. 250 - 300 Schweine schlachtet und verarbeitet und durchschnittlich 12 Gesellen beschäftigt sowie der Schuhmachermeister Andreas Franke, Lindenstrasse (Ummendorferstrasse).
Die Schrote gehört zu Diesdorf wie die Elbe zu Magdeburg.
Huschenbett beschrieb auch die politischen Verhältnisse. Er war ein Gegner der Sozialdemokratie und des aufkommenden Kommunismus, die er für den Niedergang der Sitten und den Kirchenaustritten nach dem verlorenen 1. Weltkrieg verantwortlich machte.

1939 - 1945:
2. Weltkrieg

16.01.1945
Vernichtender Bombenangriff auf die Stadt Magdeburg u. Vororte.

12.04.1945
Die 6.US-Armee besetzt Diesdorf, Sudenburg und Stadtfeld, für Diesdorf ist der 2. Weltkrieg beendet

01.07.1945
Abzug der Amerikaner und Besetzung der gesamten Stadt durch die Sowjetarmee

1947
starkes Hochwasser der Schrote

1950
Gründung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) und Zerschlagung des Mittelstandes, Verstärkung des Druckes auf die christlichen Gemeinschaften

1956
Fortsetzung der Bebauung am Kümmelsberg und Harsdorferberg

16. - 18.09.1960
1.Schrotefest

1970
Anlegung des Hochwasserschutzbeckens (Schrotestausee) oberhalb des Dreibrückengrundes

1971 - 1976
Anschluss Diesdorfs an das Trink- und Abwassernetz der Stadt

1980 - 1983
Eigenheimbauten in der Dreibrückenstraße

1990
erstes großes Volksfest nach der Wende, Beginn der Erneuerung und Verschönerung des Ortes, Neubau von Wohnhäusern, Supermarkt, Apotheke, Gaststädten

1993
Eröffnung der Allgemeinarztpraxis „Am Thie 3”
(Dr. Katrin Ulrich)

1995
Eröffnung des Supermarkt „NP” (01.06.) und der „Bördeapotheke” (15.07.)

1997
Eröffnung des Veranstaltungsservice Magdeburg,
Torplatz 2 (ehem. Fleischerei Otto Luft)

1997
Fertigstellung der Mehrfamilienhäuser Burgstraße 4 und 4a und

1999
der Einfamilien - Reihenhäuser sowie

2000
Renovierung der „Lüttge - Villa” auf dem Grundstück ehem. Lüttge (Tiergroßhandel und Landwirtschaft)

15.12.1998
Gründungsversammlung des Bürger- und Heimatvereins Magdeburg-Diesdorf e.V.

2001
1. Schrotefest (Bürger- und Heimatverein)

2003
neue Schrotebrücke „Am Thie”

10.2003
Erwerb des alten Gemeindehauses (Torplatz 4) durch den Bürger- und Heimatverein zum Zweck der Gestaltung eines Bürgerhauses



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